Moderne Wandbilder

Moderne Wandbilder als Kunstrichtung gehören zu unserem Alltag und werden leider in vielen Fällen nicht mehr wahrgenommen. Dabei sind es weniger die gerahmten Bilder, welche die Stuben der Menschen verschönen, sondern mehr die Fassadenmalereien die unseren Städten und Dörfern einen anheimelnden Charakter verleihen können. Bei der Gestaltung eines solchen Wandbildes können die unterschiedlichsten Motive sowie der persönliche Geschmack des Künstlers eine große Rolle spielen. Während man beispielsweise in den bayerischen Dörfern an fast jeder Fassade christliche oder bäuerliche Motive findet, wird der Winzer sein Haus eher mit Motiven der Weinherstellung schmücken. Die Fassadenmalerei in einer Kaserne wird sich mit der Abbildung eines „glücklichen Soldaten“ seinem Helm und Gewehr erheblich von einer urbanen Giebelgestaltung unterscheiden und auch klösterliche oder kirchliche Gebäude können solchen Schmuck aufweisen.

Moderne Wandbilder an Fassaden, Wänden oder Mauern haben einen schmückenden Aspekt, sind aber gleichzeitig künstlerische Werke, die von einem breiten Publikum gesehen und ihnen näher gebracht werden, ohne dass Eintrittsgelder erhoben werden. Sie sind eine öffentlich zugängliche und auch moderne Kunstform. Dabei ist weniger das Schmierverhalten der Graffitisprayer gemeint, obwohl die gezielte Handhabung mit dieser doch als Kunstform zu bezeichnender Malerei, recht gute Ergebnisse erzielt werden können. In der Regel werden je nach Untergrund die verschiedensten Wandfarben und Lacke benutzt, welche wetterfest über viele Jahre haltbar sind.

Im Allgemeinen werden zwei Arten von Maltechnik bevorzugt. Bei der Frescomalerei werden die Farben auf den noch feuchten Putz aufgebracht und erfordert viel Übung und Schnelligkeit. Noch bevor der Putz trocken ist, muss das Bild fertig sein, hat aber den Vorteil, dass die Pigmente der Farben im Putz verkieseln und dadurch eine lange Haltbarkeit garantiert ist. Bei der sogenannten Seccomalerei werden die Farben auf trockenen Putz gebracht, was zwar dem Künstler mehr Zeit gibt, aber die Haltbarkeitsdauer weit unter der Frescomalerei liegt.

Auch das Innere von öffentlichen Gebäuden kann mit Wandbildern aufgepeppt werden. Rathäuser schmücken ihre Treppenaufgänge mit gemalten Szenen aus der Geschichte ihres Ortes, christliche Einrichtungen werden biblische Motive wählen und Kinderkrippen- oder Gärten werden mit kindlichen Motiven um die Gunst der Kleinen buhlen. Die Wände in Postämtern, Schulen und einer große Anzahl öffentlicher Gebäude werden von Künstlern als „Leinwand“ benutzt. Sie werten diese Einrichtungen auf, zumal die Gestalter sehr oft unentgeltlich arbeiten, da es ihnen um die Sache und Anerkennung geht. Besitzer von Tanzlokalen, Gasthäusern oder auch Kultkneipen versuchen mit dieser Art von Kunst ihren Einrichtungen eine besondere Ausstrahlung zu verleihen und damit dem Gast mehr Wohlbefinden zu ermöglichen. Außerdem kann eine solche künstlerische Form zu einer individuellen und einzigartigen Atmosphäre beitragen. Je lebendiger und farbenfroher so eine Dekoration gestaltet wird, um so mehr Eindruck macht sie und erfüllt den Zweck, die Gäste zum Wiederkommen zu animieren.

Nun ist aber die Gestaltung von Wandbildern keine Erfindung unserer Zeit. Bereits vor Tausenden von Jahren begannen die Steinzeitmenschen weltweit, die Wände von Höhlen mit Bildern zu bedecken. Es ist bis heute durch die Archäologie noch nicht geklärt, welcher Sinn hinter den Darstellungen steckt. Egal, in welche Epochen wir tauchen, ob ins alte Ägypten, in die Reste der untergegangenen Stadt Pompeji oder die mittelalterlichen sakralen Bauwerke, überall findet man Wandmalerei, die teilweise bildenden Charakter hatte. So wurden im Mittelalter den leseunkundigen Kirchengänger die wichtigsten Passagen der Bibel per Wandbilder vermittelt.
Ok. Wir müssen heute die Bibel nicht auf diese Weise erfahren, aber schön sind die Wandbilder trotzdem, oder …?